© Tierfreunde Rhein-Erft
Leila im Glück Merhaba, das ist türkisch und bedeutet soviel wie “hallo”, hier ist Leila. Wollte mich mal wieder melden. Über sieben Monate bin ich nun schon glücklich in meiner neuen Familie. Die in meinem Auftaktbericht  angekündigten drei Wochen Urlaub in der Türkei waren einfach toll. Ich hatte wieder Gelegenheit zu fliegen – super! – Und das in meiner eigenen Reisetasche. Das Fluggefühl war noch viel besser als mein Flug nach Deutschland, denn diese Tasche war schließlich nur geliehen. Sonne, Sand und Meer hatten wir reichlich. Ich hatte Gelegenheit, eine größere Anzahl freier Artgenossen, „Strandhunde“ nennen sie die Touristen, kennenzulernen. Die sind alle sehr sozial. Insofern gab es keine Probleme, wenn ich das eine oder andere Mal noch ein wenig zickig war. Im Hotel und auch am Strand habe ich mich hervorragend geführt – so, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan. Nicht ein einziges Mal war ich “undicht”. Schließlich möchte ich ja auch weiterhin an derart schönen Reisen teilnehmen und nicht in eine Hundepension verbracht werden. Nur mit den vielen neuen Menschen – Herrchen und Frauchen nennen sie Freunde –, die mich alle bestaunen und  „begrapschen“ wollten, hatte ich ein wenig Probleme, weil ihr Verhalten Angst und Unsicherheit in mir auslöste. Was hatten die nur mit mir vor? Würden nun wieder „spanische Verhältnisse“ für mich beginnen? Das konnte doch wohl nicht wahr sein!!! Also nahm ich meine „Abwehrhaltung“ ein. – Zum Glück stellte sich heraus, dass mir alle nur Gutes wollten. Und wenn es die Freunde „meiner Leute“ sind, nun ja, dann sind es eben auch meine Freunde. Eigentlich sind ja auch alle sehr  nett. Was mir an dem Urlaub besonders gefallen hat war, dass meine alte Artgenossin und ich unsere Menschen rund um die Uhr für uns hatten. So könnte es den Rest meines Hundelebens weitergehen. Aber leider geht die schöne Zeit viel zu schnell vorbei. Wieder zu Hause angekommen, hatte uns der Alltag schnell eingeholt. Aufgrund der Tatsache, dass ich mich inzwischen super eingelebt habe, hielt Frauchen den Zeitpunkt für gekommen, eine geeignete Hundeschule für sie und natürlich mich zu finden. Das gestaltete sich zunächst ein wenig schwierig, da die meisten Kurse entweder bereits abgeschlossen oder für mich schon zu weit fortgeschritten waren. So haben wir zunächst fünf Einzelstunden gebucht mit dem Ziel, im Anschluss in eine bereits bestehende Gruppe integriert zu werden. Außerdem haben wir als Team „Großes“ vor. Dort, wo ich jetzt lebe, wird ein neues Projekt, nämlich  „4 Pfoten für Sie“, flächendeckend im Kreisgebiet eingeführt. Das ist ein Hundebesuchsdienst für Menschen mit Demenz. Weil ich ohnehin häufig mit Senioren  zusammen bin und wir bestens miteinander auskommen, hält Frauchen mich für diesen ehrenamtlichen Job für besonders geeignet. Frauchen hat mir kommuniziert, dass ich bei der Ausübung dieses „Jobs“ richtig Party machen kann. Und ich liebe Partys; das habe ich schon oft bewiesen. Durch mein aufgeschlossenes Wesen schaffe ich es, mit Bällchen-Spielen eine mittelgroße Gesellschaft den ganzen Abend zu unterhalten, ohne müde zu werden. Aber vor „Party machen“, so hat Frauchen erklärt, steht in Deutschland erst die Arbeit an. So haben wir die ersten Trainingseinheiten inzwischen hinter uns.  Frauchen sagt, es ist für mich wie für Menschenkinder die „Grundschule“. Ich bin begeistert. Hundeschule ist super! Das Training erfolgt ohne Zwang. Das gefällt mir. Ich bin motiviert und fühle mich geistig und körperlich gefordert. Wenn ich eine Übung richtig gemacht habe, bekomme ich ein Leckerli. Ist wohl überflüssig zu  erwähnen, dass ich möglichst viel richtig machen möchte. Die Trainerin war angenehm überrascht, wie ein kleiner Hund wie ich mit fast vier Jahren derart motiviert an die Sache herangeht. Das liegt natürlich daran, dass ich so klug und lernwillig bin. Immer, wenn es die Zeit erlaubt, übt Frauchen mit mir. Das finde ich toll. Ich mache begeistert mit – meistens jedenfalls. Die Übungseinheiten könnten allerdings häufiger stattfinden. Das würde mich noch mehr begeistern. Meine Bindung zu Frauchen wird dadurch täglich enger – bin ich doch eigentlich ein reiner „Herrchenhund“. Durch die Schulung wird mir bewusst, dass ich meinem Frauchen vertrauen kann. Außerdem bietet sie mir Schutz und Sicherheit. Und was das Tollste an der Sache ist, Frauchen lernt auch mich viel besser zu verstehen  und erkennt, dass sie sich auf mich verlassen kann. Schau’n wir mal, wie’s weiter geht. Im Anschluss an die ersten Trainingseinheiten wurde mir bewusst, dass es nicht mehr für jede gut gemachte Übung ein Leckerli gibt. Bekanntes wurde einfach  vorausgesetzt und „Schlaraffenland“ spielte Frauchen nur noch für „Neues“. Das fand ich anfänglich total blöd und ich „rächte“ mich in der Form, dass ich mein „Terrier-Sturköpfchen“ ‘raushängen ließ. Wollte doch mal sehen, wer am längeren Hebel sitzt. Diese Haltung habe ich aber nicht lange durchgehalten, denn dafür bin ich viel zu motiviert und interessiert, was es alles noch zu lernen gibt.   Bereits nach der vierten Trainingseinheit fand der Eignungstest für „4 Pfoten für Sie“ statt. Hier sollten wir als Team beweisen, dass wir für den ehrenamtlichen Job, den ich schon beschrieben habe, geeignet sind. Leider ist die Sache für uns nicht so toll gelaufen, denn ich habe den Hundetrainer einmal angeknurrt und versucht, nach ihm zu schnappen, als er mich massiv bedroht und in die Enge getrieben hat. Für mich war das eine völlig klare Situation. Der Typ wollte mir ans Leben und Frauchen „an die Wäsche“. Das konnte ich unmöglich zulassen! Blitzschnell habe ich reagiert und „klare Fronten“ geschaffen. Wär‘ wohl noch schöner, wenn da einfach jemand daherkommt und versucht, mir auf dreiste Weise mein schönes Zuhause und meine neuen Menschen zu nehmen. Die Tatsache, dass das alles nur fingiert war, habe ich in der Situation nicht gecheckt. Schließlich musste ich mich und auch mein Frauchen schützen. Ich jedenfalls bin mir keiner Schuld bewusst. Schließlich hätte Frauchen reagieren können und sich zwischen den Typ und mich stellen müssen, um mir auf diese Weise Schutz zu bieten. – Die anderen Übungen, die gefordert waren, habe ich unter Berücksichtigung meines Trainingsstandes nach Frauchens Aussage ganz gut gemeistert. Insbesondere den Begegnungsverkehr mit den anderen Mensch-Hund Teams. Mit so etwas war ich bisher nicht konfrontiert gewesen. Da die anderen Hunde aber sehr souverän waren, hatte ich überhaupt kein Problem. Lange Rede – kurzer Sinn – dennoch sind wir durchgefallen. – Nein, mein Frauchen ist durchgefallen. Das war ein eklatanter Führerfehler, denn es gibt keine  schlechten Hunde – nur inkompetente Führer. Frauchen sieht es inzwischen sportlich und mir es ohnehin egal, denn Frauchen fordert mich auf andere Weise. Der Hundetrainer und die restlichen Mitglieder des Begutachtungsteams sind der Meinung, ich könnte möglicherweise in einer ähnlichen Situation nach Senioren  schnappen… Für wie blöd halten die mich eigentlich??? Schließlich schnappe ich nicht nach Personen, die mit mir aktiv Bällchen spielen – schon gar nicht nach  Senioren oder Kindern. Aber gut, sollen sie doch mit ihrer Meinung glücklich werden. Frauchen sagt, dass die mich überhaupt nicht verdient haben. Und das sehe ich genau so! Außerdem hat Frauchen mich deswegen nicht weniger lieb. Insofern bleibt für mich alles wie bisher und wir widmeten uns wieder der Hundeschule. Nach der fünften und vorerst letzten Einzelstunde war die Trainerin der Auffassung, dass ich nun „fit genug“ für den Begegnungsverkehr wäre. Was für ein Glück, die hält mich jedenfalls nicht für blöd. Sie hat sich ja auch Zeit genommen, mich richtig kennen zu lernen und nicht wie andere, vorschnell „verurteilt“. Begegnungsverkehr war wieder eine völlig neue Erfahrung für mich. Dafür mussten wir den beschützen Raum der Hundeschule verlassen und waren auch nicht mehr mit der Tainerin allein. 12-15 Mensch/Hund-Teams waren jeweils vor Ort in freier Natur und wirklich fremden Teams sind wir auch begegnet. Ausschließlich handelt es sich bei den Teilnehmern um mittelgroße bis große Hunderassen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Artgenossinnen und Artgenossen im Alter zwischen 6 und 8 Monaten, also in der „Sturm- und Drangzeit“ – wild und ungestüm. In den Begegnungssituationen macht mir das immer noch Angst. Zwar führe ich meist aus, was mein Frauchen von mir erwartet, aber ich bin sehr ängstlich und unsicher. Wieder kommen die schrecklichen Erlebnisse der Tötungsstation und des spanischen  Tierheims in mir hoch. Ich bin wieder restlos verzweifelt! Von meiner Souveränität ist in diesen Situationen nichts mehr zu spüren. Einige Male ist es sogar passiert, dass ich vor lauter Angst ein Häufchen unter mich gedrückt habe. Und weil das in der Position „sitz“ geschah, roch ich für die Nasen meiner Menschen im Anschluss an die Übung nicht mehr gut. Geschimpft hat Frauchen aber nicht. Am 26. Oktober 2012 war es dann soweit. Wir durften das erste Mal in die Gruppe, die bereits in Vorbereitung auf den Hundeführerschein ist. Dumm war nur, dass es an diesem Tag buchstäblich Bindfäden regnete und das bereits den ganzen Tag. Die Wiese der Hundeschule stand völlig unter Wasser und der Regen wollte einfach nicht aufhören. Außer uns waren an diesem Tag nur wenige Teams gekommen. Was Frauchen mit mir dort wollte, erschließt sich mir bis heute nicht. Schließlich weiß sie ganz genau, dass ich ein „Gutwetterhund“ bin. Nasse Witterung hasse ich wie die Pest. An solchen Tagen verlasse ich das Haus nur zwecks Erledigung dringender Bedürfnisse, die sich leider nicht ewig aufschieben lassen. Nach wenigen Minuten war ich nass bis auf die Haut. Ich stapfte durch das nasse Gras, das mir bis zum Bauch reicht. Ich kam mir vor, wie bei einer Schlammschlacht. Nein, so hatte ich mir den Beginn der „Hauptschule“ nicht vorgestellt. Was hatte sich Frauchen nur bei so etwas gedacht??? Und dann kommt die Trainerin auch noch auf die Idee und fordert die Hundeführer auf, ihre Vierbeiner „Platz“ machen zu lassen. Glauben die wirklich, ich schmeiße mich hier mit Freude in den Schlamm? Kommt gar nicht in Frage! Störrisch wie ein Maulesel habe ich meine Ohren „auf Durchzug“  gestellt. Ich entschied mich so zu tun, als habe ich nicht verstanden, was von mir erwartet wird. Die anderen Hunde, ausnahmslos große Rassen, hatten zwar auch nicht viel Lust, folgten den Aufforderungen ihrer Halter jedoch zeitnah. Das war mir egal. Da mimte ich doch lieber die Separatistin! Auf so etwas hatte ich nun  überhaupt keinen Bock. Sollten sie ihre Übungen doch alleine machen …. – ich warte lieber, bis das Wetter wieder besser ist. Reglos stand ich im Regen, sah aus wie eine getaufte Maus und Frauchen versuchte, mich zu motivieren, endlich meine Übung zu machen, damit auch wir uns weiteren Übungen zuwenden konnten. Bald waren die übrigen Teams schon einige Übungen weiter, nicht so ich! Ich hatte auch nicht vor, an dieser Situation etwas zu ändern. Bedauernde, teilweise auch verächtliche Blicke trafen Frauchen und mich von den anwesenden Hundehaltern. „Was will diese Person mit dem kleinen Hund überhaupt hier, der doch noch gar nichts kann?“, schienen ihre Augen zu fragen. Meinem Frauchen ist das alles nicht entgangen und sie wurde zunehmend nervöser – sie fühlte sich durch mich total blamiert. Darauf konnte ich in der Situation aber keine Rücksicht nehmen. Natürlich ist mir bewusst, dass es nicht auf Körpergröße, sondern auf geistige Fähigkeiten ankommt. Und die sind bei mir vorhanden! - Schließlich tat mir Frauchen so leid, dass ich mich – entgegen meiner Überzeugung – dazu durchgerungen habe zu tun, was sie von mir erwartete und es gab ein Leckerli. Na ja, lieber hätte ich auf das Leckerli verzichtet. Die nächsten Termine waren für mich immer spannend,  verliefen aber unspektakulär. Bald bereiteten sich meine Menschen auf ein Fest vor, das sie „Weihnachten“ nennen. Ein Baum mit vielen Lichtern und „Bällen“ wurde aufgestellt. Prima!  Allerdings waren die Bälle nicht für mich bestimmt – doof. Soll wohl die erste Gehorsamsübung sein – ob ich widerstehen kann…. Ich kann! Auf dem Boden hat  Frauchen eine weitere „Hütte“ platziert, mit Moos ausgelegt und Figuren ‘rein und davor gestellt. Krippe nennt sie das. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, den neuen Kuschelplatz zu testen… Hat sich mein Frauchen aufgeregt! Warum eigentlich? Ist doch ein naturnaher Kuschelplatz… Habe das gleiche noch einige Male gemacht – allerdings nachts, wenn es niemand sieht. Frauchen hat es am nächsten Morgen immer gemerkt und mich mit bösen Blicken bedacht. Aber ich trage ein Halsband mit magischen Augen, das mich vor so was schützt. Wenn Frauchen nicht möchte, dass ich diese “Behausung” nutze, nun denn, es gibt viele andere Plätze im Haus, die sich strategisch so viel besser eignen. Soll sie doch ihren Willen haben. Auf diesen Platz bin ich nicht angewiesen! So vergingen die restlichen Tage des Jahres 2012 und es kam ein Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde – Sylvester. Den ganzen Tag liefen Jugendliche über die Straße, die mit Knallkörpern unterschiedlicher Art einen wahnsinnigen Lärm machten. Wenn ich nicht orten kann, wo der Lärm herkommt, wie z.B. Donner,  Knallkörper o.ä., drehe ich förmlich durch. In diesen Momenten bin ich sofort retraumatisiert und nicht zu bändigen. - Und erst das Feuerwerk zum Jahreswechsel. Die Menschen fanden es toll. Was daran toll ist, vermag ich nicht zu entdecken. Mir macht es Angst. Es war Horror pur. Ich war froh, als es endlich vorbei war und wieder Normalität einkehrte. Die Hunde-Omi hat mich getröstet und mir mitgeteilt, dass es bald wieder in Urlaub geht – aber nicht in die Sonne, sondern in den Schnee. Schnee kenne ich noch nicht. Ist aber nicht schlimm – kann man alles kennen lernen. An dieser Stelle sage ich erst einmal Tschüs Bis bald und liebe Grüße Eure  Fellnase Leila mit Anhang 50189 Elsdorf, im Januar 2013 Mehr von Leila: Erste Erfahrungen mit Schnee (Februar 2013) NN
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