© Tierfreunde Rhein-Erft
Leila Horrortripp mit glücklichem Ausgang 
Hi, ich bin Leila, ein sympathisches mittelgroßes Yorkshire-Mädchen. Leider waren meine geliebten Menschen in meiner Heimat Spanien meiner überdrüssig. Als süßer Welpe gekauft, hat man offenbar nicht bedacht, dass ich kein Steiff-Tier bin, sondern ein lebendiges Wesen, das der Aufmerksamkeit und Fürsorge bedarf. - Schnell war ich erwachsen und verursachte zunehmend Kosten für Futter und die üblichen Veterinär- besuche. Mit nur drei Jahren wurde ich gemeinsam mit der im Haushalt lebenden Katze wie Müll in eine Tötungsstation entsorgt. Hier wurden wir getrennt und ich war entsetzlich ängstlich, weil ich überhaupt nicht wusste, wie mir geschah. Instinktiv war allen in der Perrera (Tötungsstation) lebenden Vierbeinern bewusst, was alsbald auf uns zukommen würde. Mit vielen Artgenossen unterschiedlichster Rassen und Größen musste ich einen Zwinger teilen. In diesen Einrichtungen kommt es auch nicht darauf an, ob aufgrund von Auseinandersetzungen, die durch Stress und Enge zwangsläufig vorkommen, der eine oder andere verletzt oder gar getötet wird. Aufgrund der extrem stressigen Situation – denn hier haben alle Todesangst – kommt es auf gar nichts mehr an. Insofern ging es mir entsetzlich schlecht! Ein Glück, dass ich aufgrund meines kleinen Wuchses gute Vermittlungschancen hatte. So ergab es sich, dass mich aktive Tierschützer noch recht- zeitig von diesem unglückseligen Ort “auslösen” konnten. Wie froh war ich, dass meine nächste Station ein richtiges spanisches Tierheim und keine Perrera war. Aber wie sich bald herausstellte, war es hier auch nicht viel besser. Zwar brauchte ich keine Todesangst mehr zu haben, je- doch von einem Leben bei und mit geliebten Menschen war das weit entfernt. Was hatte ich nur falsch gemacht??? Was war geschehen, dass mei- ne Menschen sich von heute auf morgen einfach von mir trennten? Denkt denn niemand darüber nach, wie verlassen sich jemand wie ich in einer solchen Situation fühlt? Ich konnte einfach nicht verstehen, dass ich von nun an in einem Zwinger leben sollte und das auch noch gemeinsam mit so vielen Artgenossen… Zur Ruhe kommen konnte ich hier nicht. Rastlos lief ich an den Gittern entlang. Wie oft ich täglich die Fläche des Zwin- gers „gemessen“ habe, ließ sich bald nicht mehr zählen, und weil ich nur das Existenzminimum zu mir nahm, habe ich in dieser Zeit körperlich weiter sehr zurückgesetzt. Endlich kam dann auch ‘mal jemand auf die Idee, sich etwas intensiver mit mir zu befassen. Das tat mir gut! Und das zeigte ich auch. Leider haben Mitarbeiter in Tierheimen nicht viel Zeit für derartiges – schließlich sind noch viele weitere Tiere da, die ebenfalls versorgt werden müssen. So ging es mir auch dort überwiegend richtig schlecht. Weil ich so gravierende Anpassungsprobleme hatte und der Leidensdruck schließlich zu groß wurde, hatte man Mitleid mit mir und ich konnte in eine deutschsprachige Pflegestelle wechseln. Sollte es nun endlich wieder für mich aufwärts gehen? Hola…(hallo?!...), aber was für eine Sprache redeten die Menschen dort? Ich verstand zunächst kein Wort. Das musste doch alles nur ein böser Traum sein … ! – Aber wenigstens stellte sich heraus, dass es langsam wieder aufwärts ging. Da war die Sache mit der fremden Sprache eher nebensächlich, denn ich spürte bereits, wie wichtig es war, mich möglichst schnell mit diesen – für mich ungewohnten – Lauten vertraut zu machen. Schließlich bin ich ja nicht dumm! Vor meiner Ausreise nach Deutschland musste ich noch entwurmt, geimpft, gechipt und auf Mittelmeerkrankheiten getestet werden. Was für eine Prozedur! Blut abgenommen haben sie mir. Unglaublich! Zu allem Überfluss haben sie mich auch noch am Unterleib aufgeschlitzt und etwas ‘raus- genommen – aber das konnte ich zum Glück verschlafen. Kastration nennt man das, was man mit mir angestellt hat. Schmerzen hatte ich! Hörte der Horror denn überhaupt nicht auf??? Zum Glück hat ein Tierschutzverein in Deutschland, der Mitleid mit einer wie mir hat, all die hierfür ent- standenen Kosten übernommen. Und dann - endlich! – Endlich ging es los in ein neues Leben. Aufgrund meiner geringen Größe und meiner nur noch etwa 3 kg Gewicht durfte ich in einer für mich vorgesehenen Tasche mit einem Flugpaten in der Kabine eines Flugzeuges nach Deutschland reisen. Das war ein tolles Erlebnis – war mir doch der Frachtraum erspart  geblieben.  In meinem neuen Heimatland angekommen, stellte sich jedoch sehr bald heraus, dass ich noch kein neues Zuhause hatte. Also bekam ich Asyl in einer Pflegefamilie. Hier waren schon zwei Hunde und ich fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen. Meine Versuche, mich einzuleben, schlugen fehl. Ich liebe das Spiel mit Bällen aller Größen. Mein Bällchen mochte ich jedoch nicht mit Artgenossen teilen – auch nicht zum gemeinsamen Spiel. Überhaupt mochte ich nicht gern mit Artgenossen spielen. Unendlich gern spiele ich jedoch mit meinen Menschen und raufe gern dabei. Leider wurde mein Verhalten falsch interpretiert und ich wurde als aggressiv und bissig eingestuft. Was natürlich überhaupt nicht stimmt! Nach nur zwei Wochen musste ich die Pflegestelle verlassen! Was mache ich nur immer falsch? In der nächsten Pflegestelle waren ebenfalls ein paar Hunde. Aber die Menschen hatten erheblich mehr Erfahrung mit Vierbeinern wie mir – und alles wurde besser – schien es zunächst. Besonders fühlte ich mich zum Herrn des Hauses hingezogen. Richtig einleben konnte ich mich hier aber nicht, denn nach nur zwei Wochen hatte das neue Herrchen plötzlich keine Tagesfreizeit mehr und ich wurde erneut von jetzt auf gleich über- flüssig. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Wieder stand ein Wechsel in eine andere Pflegefamilie an. Inzwischen war ich wieder richtig ge- stresst und genervt. Das äußert sich durch Unruhe und in meinem Fall in Form von Durchfall. Ätzend! Wieder sollte ich mich an neue Menschen und einen neuen Haushalt mit neuen Strukturen gewöhnen. Sollte es mir denn nicht vergönnt sein, wieder ein schönes Hundeleben genießen zu können? Ich verstand die Welt nicht mehr… Aber dann ging auf einmal alles sehr schnell. Schon am ersten Tag in meiner neuen Pflegefamilie riefen abends meine neuen Menschen an. Das neue Frauchen hatte sich schon ein paar Tage zuvor mit Tierschutz-Yorkies beschäftigt und außer mir weitere Artgenossinnen in die engere Wahl gezogen. Eigentlich hatte man sich nach dem relativ frühen Tod meiner Vorgängerin einen Welpen gewünscht. Aber zu meinem Glück hat das nicht geklappt, weil für dieses kleine Yorkie-Mädchen schon einige Vorbewerber da waren. Aus der verbleibenden „Auswahl“ haben Herrchen und Frau- chen mich ausgewählt und mit meiner Pflegefamilie Kontakt aufgenommen. Ein langes, ausführliches Telefonat fand statt und viele Fragen wur- den erörtert. Instinktiv spürte ich, dass sich das Telefonat um mich drehte und so sprang ich meinem Pflegefrauchen auf den Schoß, um mithören zu können und so einen ersten Eindruck von meinen potenziellen neuen Menschen zu bekommen. Schließlich machten meine neuen Menschen die Sache vom persönlichen Kennenlernen abhängig. Das äußere Erscheinungsbild – wie z.B. mein verfilztes Fell – hielten sie für nebensächlich (nur Äußerlichkeiten). Die „Chemie“ zwischen Mensch und Hund müsse stimmen. Himmel..., was ist denn das schon wieder??? Wie verhalte ich mich am besten, wenn ich meinen neuen Menschen das erste Mal begegne. Schließlich möchte ich einen guten Eindruck machen… Am nächsten Vormittag rückten sie an. Sie kamen – sahen – und ich siegte. Wenn ich will, kann mir niemand widerstehen! Die übrigen Vierbeiner der Pflegefamilie und ich erhielten Leckerli – ich war hin und weg. Als Dankeschön habe ich sofort mein Bällchen apportiert und zum aktiven Spiel aufgefordert. Das hat meinen neuen Menschen auf Anhieb gefallen. Und es kam, wie es kommen sollte. Sie haben sich für mich entschieden. Ich bekam ein neues Halsband mit vielen magischen Augen, die mich in Zukunft vor allem Bösen schützen sollen und nach der Odyssee, die ich am 31. März 2012 hinter mir gelassen habe, fuhr ich in mein neues Leben. Zwar wurde es erforderlich, mich wieder einmal an neue Menschen, einen neuen Haushalt und neue Strukturen – und an einen neuen Hund zu gewöhnen. Aber das ist nebensächlich, denn hier hat man viel Verständnis für einen Tierschutzhund wie mich. Ich weiß, dass ich hier hoffentlich noch ein sehr langes, glückliches Hundeleben verbringen darf. Dafür bin ich meiner neuen Familie sehr dankbar – ja, ich liebe sie und sie lieben mich – das spüre ich ganz deutlich.   Jetzt genieße ich das Leben in einer Behausung, die meinem Ego angemessen ist. Es gibt viele gemütliche Kuschelplätze und auch einen kleinen Garten, mit dem ich außer zum Spielen derzeit noch nicht viel anzufangen weiß, denn viel lieber spaziere ich durch Feld und Flur. Ich darf im Bett schlafen – auf einer Tempur-Matratze – hatte ich noch nie…, ist aber ein tolles Schlafgefühl. Von Anfang an habe ich gut gefressen, sodass ich körperlich schon wieder auf ein fast normales Maß zugelegt habe. Der stressbedingte Durchfall hat sich nach wenigen Tagen gelegt und meine innere Ruhe ist ebenso schnell eingekehrt. Inzwischen sind alle Verfilzungen aus meinem Fell entfernt und es ist seidig und glänzend. Ich bin charmant – ein richtiger „Charmebolzen“ - behaupten Herrchen und Frauchen. Schmeiße ich mich auf den Rücken zu Füßen meiner Menschen und drehe den Kopf zur Seite, schmilzt ein jeder dahin und ich erreiche fast alles, was ich will. Ich bin sehr wachsam, aber kein Kläffer, tempera- mentvoll und agil, selbstbewusst, sehr klug, lernwillig, vielseitig interessiert und habe vor fast nichts mehr Angst. War ich anfangs in und außer- halb meines neuen Zuhauses gelegentlich ängstlich und verunsichert, meistere ich zwischenzeitlich die meisten Anforderungen des Hundelebens sehr souverän. Auch bin ich sehr zärtlich und liebebedürftig. Ausgedehnte Zuwendungen aller Art sind mir ein tägliches Bedürfnis. Bällchen-Spiele sind ein zwingendes Muss. Mit Herrchen spiele ich am liebsten, weil ich mit ihm dazu noch richtig raufen kann. Endlich einer, der mich versteht und mich nicht als aggressiv und bissig einstuft. Frauchen spielt zwar auch mit mir, aber gerauft wird nicht. - Schade! Weil mein Frauchen kein Stubenhocker ist, kann ich mit ihr zum Ausgleich oft und lange spazieren gehen. Das macht mir auch viel Spaß. Hier lerne ich, was es in Feld und Flur so alles zu erschnüffeln gibt. Sehr gern fahre ich darüber hinaus im Auto mit. Geht die Wagentür auf, sitze ich auch schon drin. Jagdtrieb habe ich übrigens auch. Und meine Menschen und ihre Behausung beschütze ich mit meinem Leben. Diese Eigenschaften sollen in einem Hundeführerkurs auf ein normales Maß gedrosselt werden. Auch Gehorsam soll ich hier erlernen, denn dieses Wort spielt in meinem Vokabular derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Mal‘ sehen, wie das nun wieder wird. Ich weiß, so viel Vertrauen habe ich inzwischen gewon- nen, dass meine Menschen nicht zulassen, dass mit mir etwas angestellt wird, was mir Schaden zufügt. Insofern kann es nur eine interessante Sache werden. Problematisch war in den ersten Wochen das Zusammenleben mit der bereits vorhandenen Artgenossin. Es handelt sich um einen 14-jährigen, zahnlosen Dauerpflegling aus dem Tierheim – also auch eine Tierschutzhündin; und eine Hunde-Omi dazu. Die entpuppte sich als extrem eifer- süchtig. Das hatten Herrchen und Frauchen nicht erwartet – hatte sie doch den viel zu frühen Tod meiner Vorgängerin betrauert. Aus welchem Grund sie ohne Grund ihr zahnloses Maul permanent aufriss, knurrte und einen „auf dicke Hose“ machte, kann ich nicht nachvollziehen. Schließ- lich möchte ich nur nett und mit allen gut freund sein. “Unterbuttern”  und von einer Artgenossin maßregeln lasse ich mich allerdings nicht. Aber auch das ist zwischenzeitlich weitestgehend Vergangenheit, denn ich gehe ihr so gut es geht aus dem Weg und wenn sie schläft - und das ist oft, tief und lange - kriegt sie ohnehin nichts mit. Das ist mein Beitrag für ein stressfreies Miteinander. Zum Glück hat meine neue Familie schon Erfahrung mit Tierschutzhunden und viele Jahre Yorkshire-Erfahrung, sodass mir ausreichend Zeit zur Eingewöhnung zur Verfügung stand und steht. Schließlich muss gegenseitiges Vertrauen erst aufgebaut werden – und das geschieht nicht von einem Tag zum anderen. Das gilt für Sauberkeit und Erziehung gleichermaßen. Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden. Weil ich gelegentlich etwas ängstlich und unsicher war, habe ich zu meinem vermeintlichen Schutz meine Beißwerkzeuge zum Einsatz gebracht und geschnappt – aber nicht gebissen! Weil ich so gute Zähne habe, ging es trotzdem oftmals „durch“. Der Einsatz meiner Beißwerkzeuge galt für Dinge im Haus, die mir anfänglich fremd waren, aber auch für Jogger, die ich gerne „jagte“ oder Spaziergänger, die ich beliebte anzupöbeln. Zwei „fremde“ Jeans mussten schon dran glauben. Das jedoch sind eklatante “Führerfehler” – mein Frauchen hat in diesen Momenten schlecht bzw. zu spät reagiert. Ich jedenfalls habe damit nichts zu tun… – Aber auch das ist Vergangenheit, denn ich lerne schnell, was erwünschtes bzw. unerwünschtes Verhalten ist. Hier fällt es mir leicht, mich einzulassen und ich mache es gern, weil ich ein liebevolles Zuhause gefunden habe, wo man sehr viel Verständnis für mich und meine außergewöhnliche Situation hat. Hier gefällt es mir. Ich bin glücklich – und nicht nur ich; meine Menschen auch. Selbst meine Artgenossin habe ich nahezu überzeugt. Hier bin ich und hier bleibe ich! - Ob es ihr passt oder nicht. In der Zeit, in der Herrchen und Frauchen nicht da sind, gehen wir zur Betreuung in die Nachbarschaft. Hier gibt es auch ein Yorkie-Mädchen, mit dem ich mich sehr gut verstehe, eine große, schöne Behausung mit vielen gemütlichen für uns vorgesehenen Plätzen und einen riesigen Garten. Im Gegensatz zu meinem Garten befindet sich dieser vor dem Haus und ist durch einen Zaun mit Tor eingefriedet. Durch die Gitterstäbe können wir sehen und erleben, was auf der Straße „abgeht“. Das ist viel spannender als Zuhause. So sind wir nicht traurig, wenn unsere Menschen uns allein lassen müssen und die Herzen der beiden Senioren habe ich im Sturm erobert. Die Hunde-Omi hat mir kommuniziert, dass es bald in Urlaub geht. Und wir dürfen mit! Ich darf wieder fliegen – ab jetzt in meiner eigenen Reise- tasche, die ich schon mehrfach ausprobiert und für perfekt befunden habe. Es geht aber nicht nach Spanien, sondern in die Türkei, in ein Hotel direkt am Strand. Toll ist es dort – die Hunde-Omi war schon da! „Merhaba“ anstatt „Hola“ – aber das ist egal, denn Hundesprache ist inter- national. Ich freue mich riesig! Bin ich nicht ein Glückspilz? Bleibt vorläufig nur noch, mich bei allen Tierschützern, die sich aktiv und passiv für meine Rettung, vorläufige Unterbringung und Vermittlung eingesetzt haben, zu bedanken. Hoffentlich ist zeitnahe Hilfe noch für recht viele Hundeseelen möglich. Ich bin froh, dass ich ein gutes und liebevolles neues Zuhause gefunden habe, wo ich den Horror des Erlebten vergessen kann. Liebe Grüße Eure Fellnase Leila mit Anhang 50189 Elsdorf, 30. Mai 2012
weiter weiter zurück zurück Startseite Startseite