© Tierfreunde Rhein-Erft
Jule Wer fühlt sich schon im Tierheim wohl?
Welche Gründe ausschlaggebend waren, dass ich fast zwölfjährig im Tierheim Bergheim landete, war mir nicht  bekannt. Bedenkt von unseren Menschen niemand, was man einer wie mir antut, setzt man uns im Tierheim ab? Unsere  Menschen lieben wir so sehr, dass wir für sie durch’s Feuer gingen, wäre es erforderlich. - Dagegen wird unsereins  offenbar nur so lange geliebt, wie wir in’s Konzept passen. Passen wir nicht mehr in’s Konzept, landen wir im  günstigsten Fall dort, wo auch ich landete - im Tierheim. Mit weiteren kleinwüchsigen Artgenossinnen in einem Zwinger fühlte ich mich dort überhaupt nicht wohl. Schließlich  kam ich aus einem Zuhause, wo man Zeit hatte, mich Gassi zu führen. Einige andere Annehmlichkeiten genoss ich  auch noch. Das alles war mit einem Schlag vorbei, denn in einem Tierheim müssen sich die Pfleger/innen um alle Tierheimtiere  kümmern. Regelmäßige Gassizeiten - Fehlanzeige. “Klemmen”, bis nichts mehr geht… Pfui, war das ätzend. Aber, was sollten wir machen, wenn kein “Klemmen” mehr half… Deshalb genoss ich es immer, wenn ehrenamtliche Gassigeher  kamen und wir für kurze, wenn möglich lange Spaziergänge, unsere Unterkunft verlassen durften. Kamen Gassigeher, war jedem Insassen im Hundehaus klar, dass man sich lautstark bemerkbar machen muss, um nicht übersehen zu werden. So war es auch an eines samstags, als vor dem Tierheim Trödelmarkt war. Es goss in Strömen, aber das war mir egal - der Gassigeherin offenbar auch. Sie sah sich nach einer kleinen Hündin für einen kurzen  Spaziergang um. “Hier bin ich, hierher, hier bin ich; ich bin genau die Richtige für Dich”, bellte ich, so laut und so  heftig, wie es mir möglich war. Genau das taten die anderen auch… Aber die Gassigeherin entschied sich für mich. Wir machten einen langen Spaziergang im Regen und ich hatte Gelegenheit, mich umfangreich zu entleeren. Die  Gassigeherin äußerte schon den Verdacht, ich bestände fast ausschließlich aus Darm. Das war mir aber egal. Sollte sie denken, was sie wollte… Am Ende des Spaziergangs sah jede von uns aus wie eine getaufte Maus. Als das Tierheimtor in Sichtweite kam,  beschlich mich wie jedes Mal das ungute Gefühl, wieder in den Gemeinschaftszwinger des Hundehauses gebracht zu  werden. - Aber an diesem Tag kam alles anders… Die Gassigeherin war der Meinung, ich würde sicher gut zu einem ihr bekannten Seniorenehepaar passen, die vor  wenigen Wochen ihr Yorkie-Mädchen hatten einschläfern lassen müssen. Da ich liebend gerne im Auto mitfuhr, ließ ich mich bedenkenlos auf eine Autofahrt ein. Meine neuen Menschen entpuppten sich als wahre Schätze. Meine neue Behausung war riesig, mit vielen  Kuschelplätzen, einem großen Garten und einer Yorkie-Spielgefährtin aus der Nachbarschaft, die mir von montags bis  freitags Gesellschaft leistete, Streicheleinheiten gab es, soviel ich wollte. So gut wie hier hatte ich es bisher nie. Das  neue Zuhause war der reinste Glücksgriff. - Ich war glücklich und meine neuen Menschen auch. Leider war mir das neue Zuhause nur zweieinhalb Jahre vergönnt. Dann wurde ich so krank, dass meine Menschen  mich über die Regenbogenbrücke gehen ließen. Bestattet bin ich im Garten an meinem Lieblingsplatz. Meine  Menschen sehen täglich durch’s Fenster auf mein Grab, das in den Wintermonaten mit einer Platte und von Frühjahr  bis Herbst zusätzlich mit einer Schale voller Blumen geschmückt ist. Wo ich jetzt bin, geht es mir wieder gut - nichts mehr von Krankheiten oder altersbedingten Gebrechen zu spüren.  Hier werde ich auf meine Menschen warten, denn ich weiß, dass wir irgendwann wieder zusammen und glücklich sein werden. Eure Jule
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