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Igelstation

Jahresbericht 2016

Transparenz ist bei den Tierfreunden Rhein-Erft Trumpf. Aus diesem Grunde freuen wir uns,  Interessierten den Jahresbericht der Igelstation Pulheim präsentieren zu können. Seit dem neuen Zählbeginn (12.06.2016) bis 15.05.2017 wurden 351 Igel aufgenommen, die Finder beraten, Pflegestellen akquiriert, Pfleger/innen beraten und eingewiesen. Die ersten Igel sind ausgewildert. Die neue Zähl- saison ist gestartet. Wie immer ist damit zu rechnen, dass nach dem Frühlingserwachen und dem Beginn der Gartensaison noch kranke oder verletzte Igel dazu kommen und sich die neue Zugangszahl deutlich steigt. Wir haben 38 verwaiste Babys aufgezogen; die meisten erfolgreich. Viele Igel konnten gesund durch die Finder an den Fundort zurückgebracht werden; für viele andere mussten wir neue Lebensräume suchen. Leider sind auch in diesem Jahr einige Igel verstorben. Im Bestandsbuch werden alle Tiere geführt, auch die, die schon moribund gekommen sind. Aber offensichtlich sind es in der leztzten Saison nicht so viele gewesen wie im Vorjahr. Seit Mitte Oktober wurde nicht mehr ausgewildert, insbesondere keine Igel, die nicht an den Fundort zurück konnten; sich also zunächst ein neues Revier suchen mussten oder diejenigen, die Mitte Oktober als Handaufzuchten nicht mehr ausreichend vorbereitet werden konnten. Natürlich wurden alle kran- ken oder verletzt aufgefundenen Igel überwintert. Unsere Tierärztin musste zwei Igeln je ein Hinterbeinchen amputieren, weil sie offen gebrochen und infiziert waren. Beide Tiere haben die Amputationen gut überstanden und kamen auch auf drei Beinen gut zurecht. Als das  Kör- pergewicht ausreichend war und die Tiere genügend Zeit hatten, die Medika- mente zu verstoffwecheln, konnten auch sie im Spätherbst in den Winter- schlaf. Natürlich war vor dem Frühjahr 2017 an Auswilderung nicht zu den- ken. Ein Igel kam mit einem wie ein Stiehl hervorstehenden, trockenen Auge. Das musste entfernt werden. Dabei zeigte sich, dass die Augenhöhle Splitterbrü- che aufwies. Viele Knochensplitter wurden entfernt. Das Tier war auch hoch- gradig mit Innenparasiten befallen. Die Operation hat das Tierchen gut über- standen und auch die parasitäre Belastung kriegten wir in den Griff. Es wur- de von den Findern weiter betreut. Von einem Rasentrimmer extrem zerschnitten, mit eitrigen, madenbefalle- nen Wunden, völlig abgemagert, kam ein Igel hier an und zunächst schien es, als hätte das Tier keine Chance zu überleben. In seinem geschundenen Körper steckte jedoch ein unbändiger Lebenswille und langsam heilten unter Behandlung die Wunden, die Innenparasiten konnten bekämpft werden, die Stacheln kamen wieder. Aber dann geschah es – der Igel begann zu nadeln wie ein alter Weihnachtsbaum – er hatte einen Hautpilz. Auch der Hautpilz wurde erfolgreich behandelt – nur bis heute ist der Igel fast nackt. – Noch wachsen keine Stacheln. Aber wir geben nicht auf, denn das Tier ist so vital und unfreundlich (wen wundert es?). Es ist so ein Kämpfer, der seine Chance verdient hat. Fast nackt ging dieser Igel in den Winterschlaf. Und da waren noch die vielen kleinen, spät geborenen und leider sofort stark parasitär belasteten Tiere mit hartnäckigen Sekundärinfektionen, die noch die Station besiedelten. Im Herbst 2016 waren es noch 46 an der Zahl. Auch davon wurde ein Teil an die Finder, die entsprechend zu instruieren waren, weitergegeben. Im Jahr 2016 waren wir in vier Tierheimen zu Info-Veranstaltungen und Vor- trägen präsent. In mehreren Etappen wurden Igelpflegerinnen ausgebilet.  Telefonisch oder über E-Mail wurden nicht gezählte Beratungen gegeben mit oft erfreulich positivem Echo. Weiterhin wurde zusammen mit einer Kollegin das Igelhilfe Forum betreut. Auch da kam häufig ein erfreulich positives Feedback. Wie in jedem Jahr lernten wir engagierte und nette Igelfinder kennen; aber auch Leute, die einfach einen Igel in Pflege nehmen wollten. Ich denke, es ist auch normal, wenn unter den vielen Menschen auch immer mal wieder welche sind, die man lieber von hinten sieht - aber damit kann ich umgehen. Altersbedingt und aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen ist mir letzte Saison schwerer gefallen als in den Vorjahren und ich denke, dass ich die Station in dieser Form nicht mehr ewig führen kann. Aber ich kann nicht selektieren. Diesem Igel helfe ich, dem nächsten nicht mehr… Zu wenige Alternativen gibt es. Noch immer kämpfe ich um Tiere, die fehlbehandelt von Tierärzten hierher kommen. – Leider das eine oder andere Mal ohne Aussicht, am Leben zu bleiben. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Das zuständige Veterinäramt des Rhein-Erft-Kreises, das mir sehr hilfreich zur Seite steht, hatte angeregt, für Tierärzte Infoveranstaltungen anzubie- ten. – Leider blieb das positive Echo aus. – Kein Interesse! Igel bringen ja auch mehr Flöhe als „Mäuse“ in die Praxis und als Akademiker sich was sagen zu lassen von einer Nichtakademikerin??? Da ist wohl der Dünkel noch sehr wirksam, der so viele Jahre einen gottähnlichen Status verliehen hat. Erst langsam, zu langsam ist bei jungen Tierärzten, insbesondere Tierärz- tinnen, mehr Interesse zu verzeichnen. Dieses Problem ist mir aus dem Forum ebenso sattsam bekannt wie von Igelfindern. Leider machen sich viele Tierärzte nicht einmal die Mühe, den Igel anzuschauen. Sie verweisen gleich an eine Igelstation. Pro Igel e.V. macht hervorragende und auch erfolgreiche Informationsarbeit. – Leider noch längst nicht überall fruchtbar. Und da gibt es noch die selbsternannten “Experten”, die auch mal gern aus der zweiten Reihe quer schießen. – Leider sind die Medien häufig wenig informativ und recherchieren als Unkundige nicht sauber. So kommt es häu- fig zu verwirrenden Veröffentlichungen. Da gegenzusteuern ist eine weitere Aufgabe, die ich wahrnehme, und die auch Pro Igel e.V. im Rahmen seiner Möglichkeiten wahrnimmt. Wir brauchen noch viel, viel mehr kundige, engagierte „Pro Igeler“. Kontakt:  Karin Oehl  Tel.: 02238/6021; E-Mail: nc-oehlch@netcologne.de
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Verantwortlich für Text und Inhalt: Karin Oehl Stand: Mai 2017
Das war einmal ein Igelgesicht! - ,  bevor es mit einem Fadenmäher kon-   frontiert wurde. Das Tierchen war  nicht mehr zu retten.
Arbeit, die ab Frühsommer im Zwei-   Stunden-Takt rund um die Uhr fällig ist